?ber Indien zum Abendland? Die Genese des Abendlanddiskurses im Kontext der deutschsprachigen Indienbesch?ftigung zwischen 1790 und 1830.

Das Projekt zeichnet die Entstehung des (deutschsprachigen) Identit?tsdiskurses vom Abendland zwischen 1790 und 1830 historisch nach. Bislang liegen keine Studien dazu vor, obschon laut Forschungsstand das frühe 19. Jahrhundert und insbesondere die Gebrüder Schlegel ausschlaggebend für die Debatte um das Abendland und seine "ideologische Aufladung" waren. In dieser Annahme stecken jedoch drei massive Fehlstellen:

1. Indien. In der Forschung dominiert "der Islam" als Gegenfolie zu Artikulationen vom Abendland, gegen den es von Beginn seiner vermeintlichen ?ideologischen Aufladung“ um ca. 1830 gestellt wird. Indien hingegen begegnet nicht. Das Projekt widmet sich daher insbesondere "Indienkundlern", die in kulturgeschichtlichen und welthistorischen Werken Indien eine besondere Rolle zusprachen.

2. Religion. Die in der Abendland-Forschung als gegeben angenommene Religion wird nicht explizit untersucht. Zudem sind die Verst?ndnisse von Religion in diesem Kontext unerforscht. Es deutet sich an, dass übliche religionswissenschaftliche Einordnungen, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zentrale Weichenstellungen für den ?modernen“ Religionsdiskurs sehen, im Projekt deutlich gesch?rft und pr?zisiert werden müssen. Religion begegnet als zentrales Moment in der Entstehung des Abendlanddiskurses, sein Verst?ndnis wandelt jedoch stark und erste Ideen einer komparativen globalen Kategorie (allgemeine Religionsgeschichte, Weltreligionen) finden sich früher als bislang angenommen.

3. Die globale Konstitution des ?Abendlandes“: globalgeschichtliche und postkoloniale Arbeiten überzeugen oft mit dem Argument weltweiter Verflechtung und gegenseitiger Abh?ngigkeit. Das Wissen auch der deutschen Indienkundler baute auf den kolonialen Archiven ihrer englischen und teilweise franz?sischen Kollegen auf, die unter dem Eindruck imperialer Ausbeutung Asiens entstanden. Vor diesem Hintergrund werden die Extreme eines ?deutschen Sonderweges“ der Abendlanddebatte bzw. seiner vollkommen globalen Dimension überprüft.

Projektleitung:
Dr. Ulrich Harlass

Laufzeit
2026-2029

Finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Aktualisiert von: B. Stelter